Zeitreise: Im Tapetenhimmel

An einem heißen Sonntagnachmittag radelte ich, einer spontanen Eingebung folgend, ein paar Dörfer weiter. Ziel war eine alte Hofstelle, die unsere Gemeinde – nach heiß diskutierten Kontroversen – zu einem kleinen Museum umgebaut hat. Den öffentlichen Streit darum, ob der alte Hof es wert wäre, mit öffentlichen Geldern erhalten zu werden, habe ich nur am Rande verfolgt. Ich hatte keine Vorstellung davon, was dort für die Nachwelt erhalten werden sollte.

Das änderte sich vor Ort schlagartig: Was wir hier für einen kleinen Schatz haben!
Gut erhaltenes Wohndesign der letzten 130 Jahre, interessant präsentiert, Alltagsgeschichte(n) zum Anfassen und Erleben. Analog.

Kommt mit, radeln wir los. Am Horizont kann man den Brocken erahnen und wer genau hinschaut, erkennt in der flirrenden Hitze auch das Wahrzeichen von Schacht Konrad.

Da sind wir schon. Nix los hier. Nur brütende Hitze. Gehen wir mal rein und schauen uns die Wohnung und Familiengeschichte einer Gastwirtin im 1878 erbauten Hof an.

Hergelockt hatte mich eigentlich eine Sonderausstellung von Modezeitschriften, die die Wirtin über Jahrzehnte gesammelt hat, mit denen Sie von der großen weiten Welt träumte. Umgehauen hat mich dann aber etwas ganz anderes: TAPETEN!
Im Haus wurden Tapetenschichten der letzten hundert Jahre freigelegt, ein Design schöner als das andere.

Freut Euch also auf viele, viele Tapetenbilder. 🙂 Die Modezeitschriften zeige ich Euch dann im nächsten Blogpost.

Jungmädchenträume auf der Schrank-Rückwand…

Im ehemaligen Tanzsaal richteten sich im Krieg die Zwangsarbeiter und nach dem Krieg die Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen eine kleine Küchenecke ein.

Die Wirtin gab ihre Gaststätte 1934 auf, da sie keine Nazi-Versammlungen in ihren Räumen wollte, Meiers waren Anhänger der Monarchie.

Das war wohl schon zu allen Zeiten so: Die Frau hat immer Recht!

 

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2 Gedanken zu „Zeitreise: Im Tapetenhimmel

  1. Tapeten, wie modern. Unser Haus wurde 1913 gebaut und die Wände, nach dem Verputzen, mit einer wasserfesten Farbe gestrichen. Damit es besser aussieht, gab es dann noch eine handgemalte Bodüre drauf. Fertig. Haben wir vor kurzem wieder bewundern dürfen, als wir tapeziert haben.
    Ein paar Kilometer weiter gibt es ein Freilichtmuseum. Dort stehen Häuser, die aus verschiedenen Orten zusammengetragen wurden. Dort abgebaut und in Originalteilen im Museum wieder aufgebaut. Incl. Den Einrichtungen und weiterempfehlen Zubehör. Das Ding zieht Massen an, weil eine alte Wassermühle, ein Postamt, eine Schule, alte Gaststube, Tanzsaal, diverse Bauernhöfe, ganz viele gar nicht mehr kennen.

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  2. haha! genau!
    ein glück dass das erhalten wurde – das ist ja der hammer! die tapeten!!! – die sind wundervoll, sollten sich mal die anbieter heutzutage ´ne scheibe abschneiden – ach nee, wollen alle ja nurnoch grau auf anthrazit…..
    aber auch diese ganzen alltagsdinge – eigentlich kennt man die alle noch – und doch sind sie jetzt nurnoch im museum zu sehen – oder im BWH ;-D
    coole location! xxxxx

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