Werden Kakteen die neuen Geranien?

Alle reden übers Wetter… Na gut, also ich auch. Da der Blog ja auch so was wie ein Tagebuch für mich ist, will ich in ein paar Jahren vielleicht wissen, wie ich diesen Wahnsinnssommer verbracht habe.
Ich arbeite noch bis Ende August durch und da heißt es einfach nur: durchhalten und abkühlen.

In der Mittagspause schaute ich so auf meine stachligen Freunde und fragte mich, ob das wohl die neuen Balkonpflanzen werden, wenn das mit dem Klimawandel so weitergeht.

Temperaturen von morgens 24 °C über 36 °C mittags und 32 °C am Abend gehen inzwischen an meine Substanz.
Isch hab Kreislauf!

Bei dieser Hitze kann es sogar passieren, dass ein Wüstenfuchs in deine Wohnung kommt und sich auf einen Stuhl setzt, „Tach, ich bin der Marvin“ – sagt und dann von der Polizei abgeholt wird.

Im Büro fällt die letzte Contenance und ich muss in der Mittagspause einfach mal die Beine hochlegen. Geht nicht anders. Kurze Hosen sind eigentlich ein No-Go für mich im Büro, aber das ist mir inzwischen so was von Wurst… Es herrscht Ausnahmezustand und hier gibts keinen Kundenverkehr.

Der einzige Schattenabschnitt auf dem Weg zur Arbeit ist diese idyllische Lindenallee, links ein Reiterweg, rechts Fahrrad- und Joggerstrecke (ich muss nicht erwähnen, auf welchem Weg die Pferdehaufen liegen, oder?!).
Nur falls einer fragt: Ja, ein Leben ohne Fahrradvase ist möglich. – Aber sinnlos.

Ein weiterer Lichtblick unterwegs ist ConeyEisland, morgens noch geschlossen, aber ein leckeres Feierabend-Eis ist hier sicher.

Der schräge Kiosk befindet sich auf dem Gelände eines noch schrägeren Autoschraubers, der hier ein bisschen Wild-West-Atmosphäre geschaffen hat. Inklusive alter Ami-Autos, die mein Herz höher hüpfen lassen (z.B. links unten im Bild). Ich liebe es, wenn Leute ihre spinnerten Ideen ausleben…

Gleich daneben baut man mal wieder ein kleines Potemkinsches Dorf. Hinter der alten Fassade einer Fabrik entsteht ein neues Kulturzentrum. Löblich!

Wo wir grade schon mit dem Fahrrad unterwegs sind, muss ich Euch noch den selbstgebastelten Rockschutz meiner Freundin Gudrun zeigen. Sie ist immer mit langen Flatter-Kleidern auf dem Rad unterwegs und hatte keine Lust mehr, sich diese zerstören zu lassen.
Ihr Rezept: Zwei Bandanas, zwei Knoten, ein bisschen Bindeband und ein paar Nähte auf der Nähmaschine – fertig war der praktische Rockschutz. Toll!

Auch Marienkäfer werden gaga in der Hitze. Dieser gepunktete Freund hier rannte wie von Sinnen immer am Rand meiner Schüssel rundum, in dem ich die Pfefferminze für den Tee trockne. Vielleicht war er auf Pfeffi-Droge.

Meine Droge heißt Kaffee und wenn ich auf der Hollywoodschaukel die Beene beim Kaffeeschlürfen baumeln lassen kann, dann bin ich doppelt glücklich.

Eine Goldtröpfchentorte hab ich für die Büchertausch-Besucher gebacken – und wurde so was von über den grünen Klee gelobt, dass ich die wohl bald mal wieder machen muss. Ist aber auch zu lecker!

Die letzten Maschen – endlich ist das Ostseestrand-Tuch fertig!

Und noch ein Mammutprojekt habe ich vollendet: ein kunterbunter Riesen-Ringelschal, der sich auch gut als Kuscheldecke macht. Hier im März der Anfang:

Jetzt sind alle Farben des Baumwollgarns verstrickt.

Sie sind die neuen Helden der Arbeit in meinem Garten. Seid bereit – immer bereit!

Leider fast alle madig! Wird nix mit der Mirabellen-Marmelade, schade!

Geht man über den „Rasen“, raschelt es richtig.

Das Jahrhundertereignis, den Blutmond mit der Mondfinsternis, konnten wir leider nicht sehen, es war hier bewölkt. Was war ich enttäuscht…

Aber: Hallelujah!!! Gestern abend gab es hier nach drei Monaten endlich den ersten richtigen REGEN!!!!
Zwei Gewitter mit kräftigen Güssen von oben sorgten dafür, dass wir alle mal aufatmen konnten. Hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so über Regen freuen könnte.

Pssst…!
Ein bisschen, so ein ganz kleines bisschen, freue ich mich schon auf meine Lieblingsjahreszeit, den Herbst.

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4 Gedanken zu „Werden Kakteen die neuen Geranien?

    • Für Jeden beginnt die fünfte (also besondere) Jahreszeit wohl zu einer anderen Zeit! Tucholsky sah das 1929 so:

      „Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.
      Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.
      Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.
      So vier, so acht Tage –
      Und dann geht etwas vor.
      Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen: so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt…, na … na…, und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher… aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.
      Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“
      Schöne Grüße,
      Annett

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  1. die fünfte jahreszeit vom kurt mag ich auch sehr!
    ich hab schon einen giesskannenellenbogen – deswegen und weil alle tonnen schon ewig leer wird nur das allernötigste aus der leitung versorgt mit´m schlauch….
    ein bisschen fürchte ich mich auch schon – sollte es so weitergehen mit dem wetter. ist ja nicht die hitz allein – schon der letzte winter war extrem trocken! und das hier – wo man immer dachte man lebt im gemässigten regenwald!
    pünktchenshorts sind süss!!! ❤
    xxxxx

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