Gelesen im Februar

Der Februar ist so ein Monat, den muss man einfach nur überleben. Das Wetter, der Anblick des nackten Gartens – einfach furchtbar. Wenn man kein Karneval-Fan ist, dann steht als Highlight nur der letzte Tag des Monats zur Verfügung, an dem man sich auf das Umblättern des Kalenderblatts am nächsten Morgen freuen kann. Aber man kann gut lesen im Februar.

Mein literarisches Highlight im Februar war zweifelsohne die Lesung von T.C. Boyle, in der ich gemeinsam mit mehr als 600 Fans im Braunschweiger Kino saß. Nach einem launigen Interview mit Margarete von Schwarzkopf, der Literatur-Päpstin des NDR (die beiden verstanden sich blendend, sie kennen sich schon lange) lasen er und eine Schauspielerin auf englisch und deutsch aus seinem neuen Buch „Die Terranauten“. Ich war begeistert, wie locker und nahbar er ist, ein Star zum Anfassen. War er bislang ein „Pessimist mit Hoffnung“, so ist er seitdem „D.T.“ Präsident ist, komplett ohne Hoffnung für diese Welt meint er. Na, da bin ich ja mal auf sein nächstes Buch gespannt, das er dann mit dieser Weltsicht schreiben wird. Er meinte mit einem Augenzwinkern, sein nächstes Buch wird irgendwas mit Girls und Train im Titel, das wäre gerade ein Erfolgsgarant. Wahrscheinlich wird es ein Dreiteiler: Girl on the train, The girl who knows the girl on the train und Girl under the train. Ha, ha ha…

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Diese Bücher habe ich im Februar gelesen:

Mal wieder ein Erfahrungsbericht – in diesem Fall die Geschichte des Hausbaus der Brigitte-Kolumnistin Julia Karnick- sollte es sein. Da unser Hausbau inzwischen 12 Jahre zurückliegt, bin ich langsam wieder in der Lage, ein solches Buch in die Hand zu nehmen, das Trauma kühlte sich mit der Zeit ein wenig ab.
„Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!“ sollte wirklich jeder lesen, der überlegt, sich dem Bau eines Hauses auszusetzen und dann prüfen, ob er oder sie sich das wirklich antun will. Wir haben uns geschworen, es niiiiieee wieder in unserem Leben zu tun. Als völlige Laien innerhalb kürzester Zeit so viele Entscheidungen treffen zu müssen, in Bereichen, von denen man nichts versteht und immer die Angst im Hinterkopf zu haben, es könnte die falsche sein, dabei mit Beträgen zu jonglieren, die dich über Jahrzehnte verschulden und in eine Abhängigkeit bzw. Ausgeliefertsein zu geraten, die nicht beherrschbar sind, das ist eine harte Prüfung für jeden (denkenden) Menschen.

Julia Karnick hat alles richtig gemacht, gut vorher überlegt, mit Architektin gebaut (konnten wir uns nicht leisten), hatte als Freiberuflerin viel Zeit, sich um den Bau zu kümmern und trotzdem den absoluten Albtraum mit Handwerkern erlebt. Als das Haus endlich fertig war, erlebten sie nach dem Einzug aufgrund von Pfusch drei (!) Wasserschäden und mussten Fußböden, Bäder und Küche wieder rausreißen und neu machen lassen. Die geschilderten Gelüste, zu morden, kann ich gut nachvollziehen, auch wir haben sie gehabt, erschreckenderweise…

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Diese Zeitungsnotiz fand ich kurz danach in der Tageszeitung:

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Auf die Kolumnen von André Meier und seiner Frau Anja Baum im monatlich erscheinenden „Magazin“ freue ich mich immer ganz besonders. Sie beschreiben ihren Alltag als ausgestiegene Großstädter in der mecklenburger Einöde auf sehr lustige Weise. Da war die Aussteiger-Fibel mit Tipps von A-Z eine Pflichtlektüre. Sehr witzig!

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Horst Evers absurde Geschichten zu lesen ist immer ein großes Vergnügen. In der Bücherei stand der allerneueste Band, den hab ich gleich in einem Rutsch durchgelesen und sehr gelacht. Meine absolute Lieblingsgeschichte darin ist „Die Welt von morgen finden wir in den Außenbezirken.“

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Ein kleines Juwel fand ich in diesem Buch, das ich zum Geburtstag geschenkt bekam. „Die Wiederentdeckung einer großen, zeitlosen Erzählerin“ – schreibt der Klappentext. Willa Cather schrieb „Meine Antonia“ vor 99 Jahren. Die Sprache ist jedoch nicht verstaubt, sondern wunderbar. Sie erzählt die Geschichte eines böhmischen Mädchens, dass 1880 mit ihren Eltern nach Amerika in die Steppe Nebraskas auswandert. Sie setzt mit diesem leisen, unaufgeregten Buch ein Denkmal für die skandinavischen und böhmischen Mädchen, die in sehr jungen Jahren mit ihren Familien aus der „alten Welt“ kamen und unter entbehrungsreichen Umständen die Steppe urbar machten.
Sehr empfehlenswert! Neben der Beschreibung der kargen, harten Lebenswelt der Einwanderer mochte ich die Naturbeschreibungen sehr:

„Die Erde, auf der ich saß, war warm, und warm war die Erde, die ich zwischen den Fingern zerbröckelte. Komische kleine rote Käfer kamen hervor und krabbelten in Kolonnen langsam um mich herum. Sie hatten glänzende zinnoberrote Panzer mit schwarzen Punkten. Ich verhielt mich so still, wie ich nur konnte. Nichts geschah. Ich erwartete nicht, dass etwas geschehen würde. Ich war da, spürte die Sonne, war wie die Kürbisse, und mehr wollte ich gar nicht sein. Ich war vollkommen glücklich. Vielleicht fühlen wir uns ja genau so, wenn wir sterben und Teil des großen Ganzen werden, ob das nun Sonne ist und Luft oder Güte und Wissen. Dies jedenfalls ist das Glück; aufzugehen in etwas Umfassendem, Großem. Und wenn es über einen kommt, dann kommt es so selbstverständlich wie der Schlaf.“

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Man wird doch wohl noch träumen dürfen…
In meinem nächsten Leben werde ich Bibliothekarin. So, wie ich es schon als kleines Mädchen werden wollte.
In diesem Leben wird das wohl nix mehr.
Und wenn es dann „mit Aussuchen“ ist, dann bitteschön Bibliothekarin mit Meerblick. Die Bibliothek habe ich schon gefunden. In Kühlungsborn steht eine reetgedeckte Bücherei mit Blick auf die Ostsee. Ist die nicht toll?!

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Ein Gedanke zu „Gelesen im Februar

  1. wat´n – bist doch noch jung! bibliothekarin kannste immernoch werden! verdient man halt nicht viel 😉
    mit boyle werde ich nicht warm, nach 5 seiten lege ich das buch entnervt weg. ich habs echt versucht!
    bis auf einen klemptner haben wir hier noch keinen handwerker gebraucht – und den eigentlich auch nur weil der BW keine zeit hatte, es aber schnell gemacht werden musste.
    aber spätestens beim dach……
    xxxxxx

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