Gelesen im Juni

Ups, schon fast Mitte Juli und ich hab Euch noch gar nicht meine im Juni gelesenen Bücher vorgestellt. Man kommt zu nix, wenn man nach fast einem viertel Jahr Auszeit wieder im normalen Arbeitsalltag steckt. Jetzt ticken die Uhren wieder anders.

Das beste Buch zuerst: Diane Broeckhoven „Ein Tag mit Herrn Jules“ – ein bewegendes kleines Buch über ein altes Ehepaar. Es erzählt von dem Tag, an dem er eines Morgens tot auf dem Sofa sitzt, und sie sich noch nicht von ihm trennen mag. Sie zögert das Begreifen des Verlusts heraus und verbringt noch einen Tag mit der Rückschau auf ihr Leben, aber auch schon kleinen Alltagsveränderungen. An ihrer Seite ist der autistische Nachbarjunge, der täglich zur gleichen Zeit zum Schachspielen kommt und voller Lebensweisheit steckt. Toll erzählt.

2016 07 01_2437

Das war ein richtig schöner Schmöker: Heather Barbieri „Rückkehr nach Glenmara“. Eine junge Modedesignerin aus Seattle braucht eine Auszeit (Mutter starb, Freund weg, Modekollektion geflopt), die sie durch Irland, das Land ihrer Vorfahren, führt. Sie strandet im Kuhkaff Glenmara am Ende der Welt und integriert sich schnell in die Gemeinschaft der Frauen dort. Diese treffen sich regelmäßig zum Spitzenklöppeln, was die Designerin auf die Idee bringt, die Spitze mit der schlichten Unterwäsche der Mädels zu kombinieren. Auf den Treffen wird für jede der Frauen gemeinsam passende Unterwäsche kreiert und uns dabei die Lebensgeschichte der Frau erzählt. Das Ganze entwickelt sich zum florierenden Geschäft, auch wenn es dem örtlichen Pfarrer nicht gefällt. Mit Liebes-Happy End, wie es sich für einen guten Schmöker gehört.

2016 06 27_2439

Ein packendes Buch in einer klaren, schlichten Sprache geschrieben: Daniela Krien „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Die Geschichte spielt im Sommer 1990 – also zu Zeiten des Umbruches in der DDR – auf dem platten Land. Marie hat keine Lust mehr, zur Schule zu gehen und wohnt und arbeitet auf dem Bauernhof der Eltern ihres Freundes. Ihr Freund ist ehrgeiziger, macht sein Abitur. Marie entwickelt nach einer zufälligen Begegnung eine starke Faszination vom zwanzig Jahre älteren Mann vom Nachbarhof. Sie beginnen eine leidenschaftliche, fast schon brutale Affäre, die in einem Fiasko endet. Spannend erzählt, fängt gut die Atmosphäre der damaligen Zeit ein, ohne Happy End. Trotzdem empfehlenswert.

2016 06 09_2337

Zur Abwechslung noch zwei botanisch angehauchte Krimis: Bernd Flessner „Der Radieschen-Mörder“ – bei dem das Opfer mit einem Riesenradieschen geknebelt im Maische-Fass endet und Ella Danz „Ballaststoff“, ein Lübecker Regionalkrimi, der in der Öko-Szene spielt.
Beide gut und sehr lesenswert!

2016 06 06_2338

Damit habe ich mich prächtig amüsiert: „In der ersten Reihe sieht man Meer“ des Krimi-Duos Klüpfel/Kobr, die hier aber mal das Genre gewechselt haben. Ein nettes Gedankenspiel: Ein mittvierziger Familienvater nickt über dem Familienalbum ein und findet sich im Italienurlaub mit Eltern und Omma Mitte der 80er Jahre wieder. Im Körper eines 15-Jährigen mit den Erfahrungen von heute. Herrlich! Eine Zeitreise in die Achtziger. Deutsche Urlauber mit Autos voller Lebensmittel, damit man im Urlaub nicht dem „komischen italienischen Essen“ ausgeliefert ist…
Ein köstliches Buch, beste Urlaubslektüre.

2016 06 23_2440
Apropos Italien: Gestern abend saßen wir beim Lieblings-Italiener und genossen Sonne, Pizza, Eis und das damit verbundene La dolce vita-Gefühl. Und da war sie wieder – die eine CD mit dem Al Bano & Romina Power-Adriano Celentano-Italo-Hit-Giganten-Mix, die vor fünfundzwanzig Jahren mal an alle Pizzerien Deutschlands ausgeliefert wurde und seitdem in Endlos-Schleife läuft. Und läuft und läuft und läuft. Wer sie aus dem Player nimmt, dem droht vermutlich ein Ende mit Betonfüßen im Fluß. Deshalb werden wir sie noch hören, wenn wir mit dem Rollator aus dem Altersheim zum Eisessen geschlurft sind. Schön, wenn manche Dinge sich nie ändern.

Advertisements

2 Gedanken zu „Gelesen im Juni

  1. fleissige leserin 🙂
    kann mir gut vorstellen dass es schwierig ist wieder dienst nach vorschrift zu machen! so gut es ist mitten im leben zu stehen so anstrengend kann es auch werden. ich wünsch dir kraft – und wenn´s gar nicht mehr geht dann leih dir die CD aus der pizzeria :-)))
    xxxxx

    Gefällt mir

    • Ja, in einem Monat kommen schon ein paar Bücher zusammen. Ohne abends ein paar Seiten zu lesen kann ich gar nicht einschlafen!
      Danke für deine guten Wünsche für die Rückkehr in den Alltag. Ich versuche gerade, nicht wieder in alte Stress-Verhaltensmuster zu verfallen und an ein paar Stellschrauben zu drehen, so dass es mir trotz Arbeitsalltag gut geht.
      Guter Tipp mit der CD – irgendwo in meiner Sammlung dümpelt bestimmt auch eine mit Italo-Hits rum…
      Liebe Grüße ins Gebirge!
      Annett

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: