Gelesen im Mai

Der Kalender zeigt schon Juni, also wird es Zeit für mich, auf die gelesenen Mai-Bücher zu schauen. Huch – das war ein ganz schön hoher Stapel: 11 Bücher hab ich verschlungen! Die viele Lesezeit verdanke ich dem gebrochenen Bein, das im Mai noch zusammenwachsen musste. Ich bin schon sehr gespannt auf das morgige Röntgenbild…

Beginnen wir mit der Abteilung „leicht & seicht“, ein bisschen lockere Unterhaltung gehört zu jedem guten Büchermix, finde ich:

Die Geschichten von Janne Mommsen über Oma Imke, die in einer Alten-WG auf einer Nordseeinsel lebt, schon ein bisschen tüddelig im Kopf ist, aber sonst noch den Schalk wie ein junges Mädchen im Nacken hat, lese ich immer wieder gern. „Oma dreht auf“ ist der dritte Band der Reihe, Band vier fehlt mir noch, den werde ich bestimmt auch noch lesen.

In Ellen Bergs „Ich koch dich tot“ – wird – na klar – ordentlich Gift unters Essen gemischt, um alle aus dem Weg zu räumen, die Vivis spätes Liebesglück im Wege stehen. Diese Abrechnung mit den Männern erinnerte mich ein bisschen an die „böse Frauen schlagen zurück“-Bücherwelle aus den 90er Jahren, das brauch ich nicht mehr. War ok, aber nicht mehr.

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Dora Heldt-Bücher lesen ist wie Schoko- und Vanilleeis bestellen: Du weißt genau, was du kriegst, und es ist immer gut. In altbewährter lustiger Schreibe erzählt sie in „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ von Heinz und Walter, die sich auf eine Verkaufsfahrt an die Schlei begeben und natürlich wieder immer alles besser wissen. Sehr unterhaltsam!

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Hier war ich ein bisschen enttäuscht: Das neueste Buch von Karin B. Holmqvist „Krieg im Schrebergarten“ plätschert so dahin. War ich in ihrem Debütroman „Manneskraft per Postversand“ noch sehr angetan von ihrer naiv-einfachen Erzählweise, hat sie mich hier gelangweilt. Der Alltag von zwei Rentner-Paaren, die Nachbarn im Wohnhaus und in der Schrebergartenkolonie sind, wird minutiös beschrieben und der „Krieg“ ist eher eine kleine Rangelei wegen eines Missverständnisses. Schade, dass sie in allen Nachfolgeromanen nicht an die Qualität ihres ersten Buches herankam.

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Jetzt wird´s ein bisschen ernster: „Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry“ von Rachel Joyce ist die Fortsetzung der „Unwahrscheinlichen Pilgerreise des Harold Fry“. Hier wird die Geschichte aus Sicht der Queenie Hennessy erzählt, zu der Harold ins Hospiz pilgert. Eine sehr berührend erzählte Geschichte einer nie offenbarten Liebe, die ans Herz geht, ohne schmalzig zu werden. Am meisten hat mich hier der rabenschwarze Humor der Hospiz-Bewohner bewegt.

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Dieses Buch hat mir die Frau, die es mir auf dem Bücherbasar verkauft hat, schon als sehr gutes Buch empfohlen und es wurde tatsächlich mein Highlight des Büchermonats: Amanda Coplin „Im Licht von Apfelbäumen“. Ein amerikanischer Debütroman über einen sanftmütigen Mann, der ein ruhiges Leben in seiner Apfel- und Aprikosenplantage lebt und sich mitfühlend um zwei verwahrloste, schwangere Mädchen kümmert, die plötzlich auf seiner Plantage auftauchen. Sein persönliches Drama um das spurlose Verschwinden seiner kleinen Schwester verknüpft sich mit seiner Fürsorge um die beiden Mädchen. Dann tauchen bewaffnete Männer auf, die die Mädchen zurückholen wollen und dramatische Ereignisse reihen sich aneinander. Absolut empfehlenswert!

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Noch so ein Top-Buch: Rachel Weaver „Die Stille unter dem Eis“. Die Kletterin Anna trifft in Alaska beim Trampen auf den Fischer Kyle und die beiden werden ein Paar. Beide haben ein Geheimnis, das sie belastet, aber leider können sie sich nicht  öffnen und es dem anderen erzählen. Sie nutzen die Gelegenheit, einen Leuchtturm auf einer einsamen Insel über einen Winter zu bewohnen und im Auftrag der Küstenwache zu unterhalten. Hier wollen sie sich selbst und einander finden und hoffen auf inneren Frieden. In der Abgeschiedenheit und dem harten Alltag entfremden sie sich jedoch eher. Wie sie sich am Ende doch noch öffnen und zueinander finden, wird total packend und gut erzählt. Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen.

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Auch das war ein richtig toller Roman: „Der Ausflug“ von Renate Dorrestein. Hier wird von einer Sommergemeinschaft drei befreundeter Paare erzählt, die jedes Jahr gemeinsame Tage in einer abgelegenen Imkerei verbringen. Eine der drei Schulfreundinnen ist vor kurzem verstorben, der Witwer kommt allein mit seinen Söhnen dorthin, eine hat sich scheiden lassen und kommt mit einem neuen Partner, der von den anderen nicht angenommen wird. Bei einem Picknick verschwindet das Baby der Imker spurlos und es wird nicht aufgeklärt, was passiert ist. Dieses schmerzliche Ereignis wirft die Gemeinschaft aus der Bahn und verändert die Beziehungen untereinander. Dieses Beziehungsgeflecht zwischen den Paaren und auch den Kindern wird so grandios erzählt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Das Baby taucht ein halbes Jahr später übrigens wohlbehalten wieder auf.

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Was für ein interessantes Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn ich die letzten 5 Jahre mit heutigem Wissen noch einmal leben und die Weichen ganz anders stellen könnte? Das erzählt uns Kerstin Gier in „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“. Kati bekommt nach einem Unfall diese Chance und will nun statt mit dem vertrauten Ehemann Felix lieber mit dem attraktiven Mathias zusammenleben, in den sie sich spontan verliebt hat, bevor der Unfall passierte. Also versucht sie, den Lauf der Dinge so zu drehen, dass sie mit Mathias zusammenkommt statt mit Felix. Ob das so klappt? – Richtig toll erzählt, sehr wortwitzig. Von der muss ich noch mehr lesen…

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Ein sehr netter, kleiner Roman: Diane Broeckhoven „Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück“.
Sylvain muss sich sein Glück erkämpfen: er lebt mit der klammernden Mutter und seiner Schildkröte Gaby zusammen und schaffte es bisher nicht, sich trotz seiner 36 Jahre abzulösen. Ein Hilfstransport nach Rumänien soll eine kleine Flucht und Auszeit sein, diese scheitert aber am Sturz seiner Mutter über seine Koffer. Als die alte Dame im Krankenhaus liegt, unternimmt er eine kurze Reise an die Nordsee und lernt unterwegs eine nette Rumänin kennen. Diese weckt ganz neue Lebensenergie in ihm und so traut er sich den Absprung in eine eigene Wohnung zu. Hat mir gut gefallen.

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Und ´nen Krimi gab es auch noch: James Patterson & Peter de Jonge „Wenn er fällt, dann stirbt er“. Er zog mich von der ersten Seite an in den Bann und war sehr spannend. In den Hamptons ertrinkt der Bruder des Jurastudenten Jack während einer Party der High Society im Meer. Er findet jedoch heraus, dass er erschlagen wurde und deckt nach und nach das Doppelleben seines Bruders auf, von dem er nichts ahnte. Gegen die Verschwörung der einflussreichen Beteiligten decken Jack und seine Freunde das Verbrechen auf. Aus der Sicht der scheinbar „ohnmächtigen“ einfachen Leute geschrieben, die sich taktisch klug doch noch gegen die Reichen durchsetzen können.

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Was auf die Ohren: Seit meinem Hörsturz vor ein paar Jahren konnte ich Musik leider nur noch in kleiner und leiser Dosis ertragen. Jetzt, nach der wochenlangen Ruhe zu Hause ohne Stress, merke ich, dass es besser wird! Ich kann die Dosis erhöhen und lasse mich also zwischendurch von diesen schönen alten Männern hier vollsingen:

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Und im Garten? – Draußen ist richtiges „Wachse-Wetter“: Seit mehreren Tagen Regen, Gewitter und schwüle, warme Luft bei über 20 Grad. Da freuen sich die Nacktschnecken und entern mein Salat-Beet!

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4 Gedanken zu „Gelesen im Mai

  1. ich steh ja seit jahren hilflos vor den bücheregalen – seit ich alle agatha-christie-krimis und -romane und sogar ihre erinnerungen gelesen hab….
    deswegen freue ich mich sehr über deine rezension hier – die von dir gelobten bücher kommen auf eine liste in die handtasche 🙂
    denn wenn dein büchergeschmack so gut ist wie dein musik-& männergeschmack 😉 dann ist das endlich mal eine empfehlung mit der ich was anfangen kann!!!!
    schön sieht dein garten aus!!!
    alles liebe! xxxxxxx

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  2. Danke für Deinen netten Kommentar und die Verlinkung. Den Schrebergartenkrieg finde ich auch nicht gerade spannend. Dieser Roman ist als Abwechslung zu Schulaufgaben eine Zeitverschwendung. Coplin hingegen habe ich auch mal gelesen und dannzumal im Blog vorgestellt – das ist schon ein ganz anderes Kaliber… Glg Daniela

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    • Na, da haben wir wohl einen ähnlichen Büchergeschmack! Das Coplin-Buch fand ich wirklich sehr toll. Wo finde ich denn deine Rezension dazu auf deinem Blog?
      Ich lese übrigens gerade den Radieschenmörder, die Anregung dazu habe ich mir auch bei dir geholt! Toller Blog!
      Liebe Grüße,
      Annett

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