Stressige Zeiten?

Ist das eigentlich etwas Neues? Empfinden wir unser Leben erst neuerdings als extrem stressig? Erst, seit die Informationsflut minütlich aus allen Kanälen auf uns einstürmt und wir keine Minute mehr offline sind (außer im Garten)? Hatten Generationen vor uns nicht auch schon dieses Gefühl? Gehört zu jedem technischen Quantensprung des menschlichen Alltags auch immer die Sehnsucht, statt dessen lieber zurück zur Natur zu wollen?
Waren die Wandervogelbewegung, die Entstehung der Anthroposophie und der biologisch-dynamischen Landwirtschaft vor knapp 100 Jahren nicht auch eine Reaktion auf den Stress, der von der Industrialisierung auf den Menschen ausging? Wiederholen sich die Zeiten?

Im Büchertausch fiel mir vor kurzem ein Gartenbuch in die Hände, im Vorwort geht es um die seelische Verarmung und Naturentfremdung durch die hektischen Zeiten. „Das Leben ist aufgewühlter denn je… – … das Verlangen nach Brot und Spielen ist angewachsen wie unsere Arbeitsleistung… – Zurück zur Natur….“
Hier heißen die Stress-Verursacher aber: „Auto, Telefon, Radio und Atom“ – huch, von wann ist das Buch denn?

WP_20160521_002Von 1957!
Es führt uns in eine andere Welt, die vor knapp 60 Jahren. Aber war sie wirklich so anders?

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Da halten treuherzige Schweizer Riesenstiefmütterchen freundliche Zwiesprache mit der schlichten Tonvase der kunstverständigen und blumenliebenden Hausfrau.

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Der Rückzug ins Private, Kuschelige: Gartenkamin und Grillabend – Cocooning 1957.

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Gemütliche Wohnzimmerwelt mit obligatorischem Gummibaum.

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Aber: Muss sich DAS auch wiederholen? In stark frequentierten Blogs sehe ich neuerdings studierte Mittdreißigerinnen in ihrer perfekten, zuckersüßen Pastell-Küchenwelt, mit unter der Flechtfrisur devot gesenkem Blick hinein in die Rührschüssel im Arm, kuchenbackend und beim Posten perfekt angerichteter Speisen ihr Seelenheil suchend…
Uiuiui – aufpassen! Sonst hängt ihr irgendwann in der alten Falle und bald an der FRAUENGOLD-Flasche.

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4 Gedanken zu „Stressige Zeiten?

  1. Die damalig zeit war aber nicht so in allen Familien oder Gärten.
    Meine Mutter war voll berufstätig und sehr kreativ.
    Aber auch heute treibt der Perfektimus andere Bahnen, so werden die Kinder oft überbehütet mit den vielen Aktivitäten .
    mal einfach nur spielen und mal unterwegs sein, heute undenkbar.
    Oder die perfekte Einrichtung und Sauberkeit, die neuste Technik , dass alles lässt kaum Muße.
    Grüße von Frauke

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  2. hahahaaa – frauengold! au weia!
    schreibt die, die nach dem rasenmähjob mit einem glase weisswein in ihrer gartenhalle – äh…sommersalon – sitzt 🙂
    ich hoffe nicht dass sich die zeiten von vor hundert jahren wiederholen – ich hab das gefühl die leute waren wirklich auf dem weg zur erleuchtung…..und deswegen wurde der erste weltkrieg vom zaun gebrochen. andererseits – diesmal sitzen alle schön fest im hamsterrad des konsumerismus…
    oder vll. nicht?
    jedenfalls wieder ein grossartiger post!
    für mehr 50er jahre zivilastionskritik in launiger schreibweise kann ich herbert rittlinger empfehlen!
    xxxxxx

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    • Nach dem Rasenmähen hast du dir dein Gläschen Frauengold, ähem – Weißwein ehrlich verdient! Hast du schon mal die 50er Jahre Werbefilme für Frauengold gesehen? Mehr Chauvinismus geht kaum… – Rittlinger? – Ah, ein nacktbadender Faltbootfahrer, das klingt interessant! Schau ich mir mal an…
      Liebe Grüße,
      Annett

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      • letztens grade wieder alte 50er werbung gesehen – u.a. frauengold – aber auch tütensuppen und faltencreme – gaaanz schlimm! ich mag zwar die mode – aber diesen chauvinismus brauch ich wirklich nicht!
        viel spass mit herbert 🙂
        xxxxxx

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