Gelesen im März

Ultimo steht vor der Tür: Es ist wieder Zeit für ein Resümee der weggelesenen Bücher:

Gar nicht so seicht, wie die Covergestaltung vermuten lässt, war „Und ewig singen die Krabben“ von Marie Matisek.
Ein Küsten-Insel-Roman: Heini Hinrichsen, Tätowierer aus Hamburg (harte Schale, weicher Kern) kehrt nach dem Tod seines Vaters auf die Heimatinsel zurück (weil er eh gerade untertauchen muss, hat er doch dem gefürchteten Rockerboss aus Versehen einen Strich durchs Gesicht tätowiert). Es geht um die Entscheidung für oder gegen das Bestattungsunternehmen, dass sein Vater führte, den Konflikt mit der Stiefmutter, alte Schulfreunde, eine lispelnde Floristin, bei der sein Herz pocht und vieles mehr… Gut geschrieben, ein wirklich nettes Buch mit leider total unpassendem Titeldesign.

undewigsingendiekrabben
Kabarettist Torsten Sträter ist zur Zeit richtig gut im Geschäft. Im Fernsehen kommt man nicht an ihm vorbei, im Buchhandel auch nicht mehr. Ein Typ von nebenan, nicht abgehoben, und sehr ehrlich, wenn er über seine Depression erzählt.
Er erklärt uns den Unterschied von „Scheiße drauf sein“ und Depressionen so: „Scheiße drauf sein“ ist wie ein Tatort mit den Muppets. Nicht das Gelbe vom Ei, geht aber vorbei. Depressionen hingegen sind wie alle drei Teile Herr der Ringe. In Zeitlupe. Mit Jean Claude van Damme als Gandalf. Und Musik von Andrea Berg.“
Das Buch ist eine Sammlung seiner Geschichten, die er auf der Bühne immer abliest. Von ihm vorgelesen finde ich sie noch besser als selbst gelesen.

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Allein schon wegen der leckeren Küche könnte ich mir gut vorstellen, in einem türkischen Bergdorf zu leben. Ich liebe dieses Essen und die entspannte Freundlichkeit der Leute einfach. Die Gerichte und Geschichten in „Cook mal türkisch“ werden jedoch von einer jungen Frau mit deutsch-türkischen Wurzeln aus Berlin vorgestellt. Ein Mix aus traditioneller Küche und aktuellem Street-Food, toll bebildert und mit kurzweiligen Geschichten aufgelockert. Die Anzahl der Post-its zeigt, dass es nicht nur ein Lese-Buch ist, sondern nachkochbare Rezepte enthält.

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Sie erzählt darin u.a. die Geschichte, wie sich ihre Eltern kennenlernten:
„Als Vater im Volkshochschulkurs „Türkei, Emanzipation, Kommunismus und Teppichknüpfkunst“ meine Mutter kennenlernte, verliebte er sich auf der Stelle. Weil er sich nicht traute, sie direkt anzusprechen, lud er kurzerhand den ganzen Kurs zu sich nach Hause zum Essen ein. Als Vorspeise sollte es Datteln mit Speck geben. Als alle zwanzig Gäste schon am Tisch saßen, fiel ihm ein, dass Mutter sicher Muslimin war und vielleicht gar kein Schweinefleisch aß. Also nagte er blitzschnell den gebratenen Speck von allen Früchten und servierte die Datteln blank. Hätte er sie damals nach dem Rezept auf Seite 26 zubereitet, hätte er sich nicht an einer Überdosis Speck den Magen verdorben. Dann wäre Mutter später vielleicht nicht bei ihm geblieben, um ihn wieder gesund zu pflegen. Kurz: Wenn der Speck nicht gewesen wäre, gäbe es mich heute vielleicht nicht…“

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Auerhaus“ von Bov Bjerg ist eine gelungene Zeitreise in die 80er Jahre, der Titel eine Verballhornung von Madness Song „Our House“, den wir jetzt sicher alle als Ohrwurm im Kopf haben.
Erzählt wird die Geschichte von sechs Jugendlichen in einem westdeutschen Dorf, die einen von ihnen vor einem erneuten Selbstmordversuch schützen wollen, indem sie zusammen in eine WG ziehen, um auf ihn aufpassen zu können. Ich habe es an einem Sonntag durchgelesen, weil es mich so gepackt hat. Sehr bewegend, lustig, traurig, nachdenklich… Unbedingt lesenswert!

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Genau!: „Einen Scheiß muss ich„! Der mit einem Augenzwinkern geschriebene Ratgeber von Sean Brummel alias Tommy Jaud bringt es auf den Punkt und überrascht mit vielen logischen Wahrheiten. Sehr lustig, sehr lehrreich.
Ein Brummelscher Denkansatz zum Thema Strandfigur: „Frage: Wie viele Tage im Jahr sind Sie am Strand? Okay. Und wie viele Tage im Jahr haben Sie eine Figur? Danke. Was um alles in der Welt wollen Sie dann mit einer Strandfigur?“ –
Ich habe ab sofort in manchen Alltags-Situationen das Mantra „Einen Scheiß muss ich“ in der Tasche, manchmal funktioniert es sogar schon. Der Weg zu Veränderungen ist jedoch lang und mühsam.

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Zu guter Letzt das Buch „Aschermittwoch“ von Ethan Hawke, den man vielleicht noch als Schauspieler aus dem „Club der toten Dichter“ kennt. Ich habe schon „Hin und Weg“ von ihm gelesen und finde ihn als Schriftsteller klasse.

2016 03 28_2083Irgendwie ein Coming of Age-Roman, obwohl das Pärchen schon Ende Zwanzig ist. Auf einem langen Trip durch die USA und durch die Abgründe ihrer Vergangenheit versuchen die beiden, sich so zu verhalten, wie sie es für „erwachsen“ halten und tapsen trotzdem immer wieder in neuen Schlamassel. Hat mir sehr gut gefallen.

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