Gelesen im Februar

Jetzt ist er endlich geschafft, der Februar. Obwohl mein Geburtstags-Monat, gehört er zu den Monaten, die ich am allerwenigsten mag: Januar und Februar – die werden einfach nur überstanden. Die Jahres-Durststrecke sozusagen.
Aber: Viel Muße zum lesen.

Mein erstes Februar-Buch war „180° Meer“ von Sarah Kuttner. Ihr „Mängelexemplar“ hatte mir damals sehr gut gefallen, jetzt wollte ich mal schauen, ob der Hype um das neue Buch gerechtfertigt ist. Unsere wunderbare, mit top-aktuellen Büchern bestückte Bücherei vor Ort sorgte dafür, dass ich es nicht kaufen musste.
Die Sprache ist das große Plus dieses Romans, also schreiben kann sie wirklich (quatschen natürlich auch). Oft sehr überraschend formulierte Sätze, interessante Gedankengänge, immer auf den Punkt gebracht. Toll.
Die Story selbst nervte mich ein bisschen. Wahrscheinlich bin ich einfach inzwischen über das Alter hinaus, in dem ich Verständnis für Mittdreißiger habe, die nichts gebacken kriegen, nur auf der Suche nach dem Sinn, sich selbst oder was auch immer sind und dabei das Leben an sich verpassen.
Die Protagonistin betrügt ihren Freund, ohne wirklich zu wissen, warum, und nimmt Reißaus, als es auffliegt. Sie quartiert sich erst bei ihrem Bruder in London ein und landet dann in einem englischen Küstenstädtchen, ganz in der Nähe des Wohnorts ihres Vaters, mit dem sie ziemliche Kommunikations-Probleme hat, die sich vor seinem Tod auch nicht mehr lösen lassen.

2016 02 08_2024

Jetzt was Heiteres aus der leichten Abteilung: „Mach mir den Garten, Liebling!“ von Ellen Berg. Die Story ist eher in der Arbeitswelt (etwas überzogen, aber lustig dargestellt) als in der Schrebergartenwelt angesiedelt. Es ist von allem was dabei: Kriminelle Machenschaften in der Firma, überarbeitete Single-Frau, die bei der Beförderung übergangen wird, Omas Schrebergarten und die dortige Gemeinschaft skurriler Charaktere, ein Traum-Typ, natürlich der Gartennachbar, große Liebe, Showdown in der Firma und Happy End. Ich habe mich sehr gut amüsiert.

2016 02 08_2025

Titelbild-Detail, extra für Sonja rangezoomt. Jetzt wissen wir, dass sie die Socken dabei anlassen, die Gartenzwerge.

2016 02 08_2026

Ein Juwel von einem Buch: „Altes Land“ von Dörte Hansen steht seit einiger Zeit auf der Bestsellerliste und das macht mich normalerweise eher skeptisch. Ich sortierte es in die Schublade: Noch ein …ausgebrannte Großstädterin zieht aufs Land und dort wird alles gut– Roman. Weit gefehlt!
Es geht um unglaublich viele Themen, die gut miteinander verwoben wurden: Familiengeschichte über drei Generationen,  ostpreussische Flüchtlinge und wie mies sie hier behandelt wurden, Alte-Land-Bauern und Pseudo-Bauern: Journalisten, die sich im alten Bauernhaus auf der Landlust-Welle verwirklichen wollen, Bauern, die diese Journalisten nach Strich und Faden vorführen, Touristennepp im Alten Land, den Geist alter Häuser, alte Leute, die nicht mehr leben wollen und Hamburg-Ottenser Biomütter (kommen nicht gut weg). Ein richtig toller Roman!

2016 02 14_2029

„Baba Dunjas letzte Liebe“ habe ich an einem verregneten Sonntag durchgelesen. Neugierig darauf bin ich geworden, weil Christine Westermann in der Buchbesprechung bei frau-tv so davon schwärmte. Grundsätzlich ziehen mich alle Bücher an, in denen Menschen zurückgezogen und autark leben, das interessiert mich einfach.
Baba Dunja ist uralt und lebt in einem verlassenen Dorf in der radioaktiven Zone um Tschernobyl. Ein paar ebenso Alte sind dazugezogen und die kleine Gemeinschaft schlägt sich mehr oder weniger gemeinsam durch. Ein Ereignis durch Neuankömmlinge wirbelt die gewohnte Ruhe und Baba Dunjas Leben komplett durcheinander und bringt die Bewohner einander näher. Ein tolles Buch! Bewegend erzählt.

2016 02 14_2030

Noch ein gutes Buch, diesmal aus Schweden: „Ein Mann namens Ove“. Ich wollte es anfangs schon wieder weglegen, weil dieser Ove ja wirklich permanent schlecht drauf ist. Ein Pedant, der alle und alles kontrolliert und sein ganzes Leben damit hadert, dass sich nicht alle an die Regeln halten. Nach und nach versteht man jedoch, warum er so tickt und was das Drama seines Lebens – der Tod seiner geliebten Frau in ihm ausgelöst hat. Er versucht immer wieder, sich umzubringen (nachdem er das Telefon gekündigt, die Wohnung geputzt und Schutzfolie ausgelegt hat), immer wieder kommt etwas bzw. jemand dazwischen, eine neue Nachbarsfamilie, Behörden, die seinen dementen Freund ins Heim stecken wollen, jugendliche Nachbarn, die seine Hilfe brauchen…
Dazu schleicht sich eine zerzauste Straßenkatze in sein Leben. Allein schon die Beschreibungen, wie diese Katze guckt, lohnen, das Buch zu lesen.  “ „Verschwinde“, sagt Ove. Die Katze betrachtet ihn taxierend, als ob sie sich bei einem Vorstellungsgespräch auf der Seite des Schreibtisches befände, wo die Entscheidungen getroffen werden.“
Wer jemals eine Katze hatte, weiß genau, was er damit meint.

2016 02 27_2040

 

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3 Gedanken zu „Gelesen im Februar

  1. Da hast du ja tolle Bücher gelesen! „Altes Land“ und „Ein Mann namens Ove“ haben mir beide auch sehr gefallen. „Baba Dunjas letzte Liebe“ habe ich mir doch gleich mal bei uns in der Bücherei vorgemerkt. Vielen Dank für deine Lesetipps!
    Liebe Grüße
    Lilly

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  2. Sehr schöner Buchmix!
    Bisher habe ich mich nicht so wirklich für Baba Dunja erwärmen können, aber jetzt scheint die Zeit reif dafür zu sein:)
    Danke für die interessanten Buchvorstellungen.
    Liebe Grüße
    Dani

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  3. „Ein Mann namens Ove“ habe ich auch schon gelesen, und mir ging es wie dir, zunächst war ich nur genervt von diesem nörgelnden Typen, aber zum Schluss hab‘ ich Rotz und Wasser geheult ;0)
    Danke für die tollen Buchtipps! Da fällt die Auswahl leichter.

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