Lesezeit: Schrebergartenkrimi und Erfahrungsberichte

Damit habe ich mich in den letzten Tagen köstlich amüsiert: „Radieschen von unten“ – Eine Krimikomödie aus dem Ruhrpott. Aus der Feder von Lotte Minck bzw. dem Duo Minck & Minck habe ich schon einige schräge Krimis verschlungen.
Jetzt ein Schrebergarten-Krimi: Genau richtig für trübe und traurige Januartage und herrlich schnoddrig geschrieben! Reihenweise werden unliebsame Ehegatten in die ewigen Jagdgründe befördert, sie landen kopfüber in der Regentonne oder fallen – upps – in hochkant abgestellte Bodeneinschlaghülsen. Außerdem wird ständig dem Hochprozentigen gefrönt, gegrillt, gefrühstückt oder gefeiert. Ab und zu wird mal etwas Unkraut gezupft, ansonsten die Mordserie clever aufgeklärt. So stellt man sich doch einen Urlaub im Schrebergarten vor, oder?

Buch Radieschen von unten

 

Dieter Moor, der sich ja in zwischen Max Moor nennt, kennt man ja aus dem Fernsehen, wenn er Kulturelles empfiehlt oder mit seinem kleinen grünen Oldtimer durch die beschaulich-schöne brandenburger Sommerlandschaft fährt und Promis interviewt, die sich in Brandenburg niedergelassen haben.
Da ich auch eine Schwäche für die Brandenburger Wasser-Landschaft habe, musste ich natürlich auch seine „Geschichten aus arschlochfreien Zone“ lesen, in der er erzählt, wie er aus der Schweiz nach Brandenburg zog und mit seiner Frau auf  einem kleinen Dorf einen Bio-Bauernhof aufgebaut hat. Ich ziehe den Hut vor allem vor seiner Frau, die beruflich aus der Kultur-Szene stammt, aber noch mal ein Landwirtschaftsstudium durchgezogen hat und nun Vollzeit-Bäuerin mit Viehhaltung ist. Die Geschichten sind sehr liebe- und humorvoll erzählt und sein Blick auf die ostdeutschen Eigenheiten ist nicht von der (manchmal in ähnlichen Büchern vorkommenden) Wessi-Arroganz geprägt. Sehr lesenswert. Sein zweites Buch aus der „arschlochfreien Zone“ war nur ein billiger Abklatsch, das erste ist definiv besser.

Buch Was wir nicht haben brauchen Sie auch nicht

 

Diesen Erfahrungsbericht von Bruni Prasske habe ich auch sehr gern gelesen: Sie zieht über den Sommer raus aus der Großstadt in einen Wohnwagen namens Rex. Der steht auf einem unkonventionellen Campingplatz am Blankeneser Elbufer. Bruni ist sehr pragmatisch und nicht ängstlich veranlagt (das hat mir sehr imponiert) und lebt dort das freie Leben. Der große BERGER-Camping-Katalog (in dem ich auch sehr gerne blättere) wird zu ihrer Bibel, sie fährt viel Rad und paddelt auf der Elbe um ihr Leben.
Ich glaube, irgendwann stellen wir unseren Bulli auch mal auf diesem Campingplatz auf…

Buch Mein Wohnwagen und ich

 

Auch vor ihr ziehe ich den Hut: Novella Carpenter beschreibt in „Meine kleine Cityfarm„, wie sie ihren Traum vom eigenen Bauernhof und Selbstversorgung konsequent umsetzt. Nur nicht auf dem Land, sondern, da sie das Stadtleben liebt, mitten im Ghetto in Oakland. Sehr zum Leidwesen ihrer Nachbarn verwandelt sie eine Brachfläche vor ihrer Wohnung in einen Bauernhof mit allem drum und dran: Hühner, Schwein, Bienen, Gemüse usw. Bemerkenswert ist ihre Konsequenz, sie lernt, Tiere nicht nur aufzuziehen, sondern auch, sie zu töten. Zeitweise zieht sie einen harten Selbstversorgungs-Versuch durch, in dem sie sich nur von ihrem Hof ernährt und dabei auch körperlich an ihre Grenzen geht. Ich habe staunend gelesen und war manchmal froh, nicht bei ihr nebenan zu wohnen…
Mehr von ihr in ihrem Blog: https://ghosttownfarm.wordpress.com/

Buch Meine kleine Cityfarm

 

Und noch so einer, der Landlust schnuppern will, aber die Großstadt nicht lassen kann: taz-Redakteur Martin Reichert beschreibt in „Landlust„, wie er am Wochenende mit seinem Mann in der brandenburger Provinz seinen Land-Traum umsetzt, während er unter der Woche in Berlin arbeitet. Selbstironisch und locker geschrieben, ab und zu blitzt aber mal kurz die oben erwähnte Wessi-Arroganz durch, wenn er über die „Eingeborenen“ schreibt.

Buch Landlust

 

Die „Kraut und Rüben“-Kolumnistin Susanne Wiborg plaudert sich in „Bin im Garten“ durch ihr Gartenjahr.
Gut amüsiert hat mich die Beschreibung ihres Alpenveilchen-Traumas:
„Als ich aufwuchs, hielten Alpenveilchen nicht nur den Spitzenplatz als Allerwelts-Zimmerpflanze, sondern auch noch den als Verlegenheitsgeschenk Nummer eins. Da muss ich irgenwann ein tiefsitzendes Zyklamen-Trauma davongetragen haben, spätestens bei der Alpenveilchen-Invasion zur Konfirmation. Diese Präsente trugen lappige Blätter an aufgedunsenen Stängeln, …,  und ihr Knallrot oder Pink biß sich auf das herzhafteste mit den Farben der Kreppmanschetten, mit denen die Töpfe noch zusätzlich verunziert waren.“

Auch ich habe so ein Trauma aus meiner Kindheit, in der die Mütter meiner Freunde diese mit einem solchen Kreppmanschetten-Ungeheuer in der Hand zu meinem Kindergeburtstag schickten. Es gab halt keine anderen Blumen im ostdeutschen Winter der frühen 70er Jahre zu kaufen. Heute würde kein Kind mit einem Blumentopf als Geschenk zum Kindergeburtstag gehen, aber damals war das noch üblich. Und jetzt habe ich ein unheilbares Alpenveilchen-Trauma.

Susanne Wiborg hat sich mit den Alpenveilchen ausgesöhnt, als sie ein paar schönere Wildformen entdeckte und sie sich in den Garten setzte. Aber ich bin nicht zur Konfrontations-Therapie bereit: Nie, niemals wird ein Alpenveilchen eine Wurzel in meinen Garten setzen!

Buch Bin im Garten

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