Es war einmal ein Weidenzaun…

Alles fing damit an, dass Frau ihren neuen Garten besonders individuell gestalten wollte. Dazu entdeckte sie in irgendeiner Zeitschrift eine Anleitung, sich aus Weidenruten einfach selbst einen Gartenzaun zu bauen. Toll – das ist ja ganz einfach!

Wie der Zufall es so wollte, hatte eine Bekannte einen Gartennachbarn, der gerade eine große Weide gefällt hat und die langen Weidenruten bereitwillig bei mir ablud, er musste sie ja sowieso entsorgen. Also bastelte ich mir im Jahre 2006 einen kleinen windschiefen und krummen Weidenzaun, der den zukünftigen „Strand“ vom Rest des Gartens abtrennen sollte. Argwöhnisch beäugt von meiner Nachbarin, die die Befürchtung hatte, ich wolle doch nicht etwa das ganze Grundstück mit solchen krummen Kunstwerken einzäunen. Da konnte ich sie beruhigen. Zur Abgrenzung zum Nachbargrundstück habe ich mir teure Weidenzäune aus dem Baumarkt gegönnt.

So sah die „Strand-Baustelle“ mit dem Weidenzaun in der Entstehungsphase 2006 aus:

weidenzaun_2006

Im Sommer 2007 ist der Strand in fertig und man kann auf dem Bild schon ahnen, was sich aus dem Weidenzaun entwickelt. Zwei der senkrechten Weidenruten haben Wurzeln geschlagen und treiben aus.

weidenzaun_2007

 

Im Sommer 2010 hatten sich die trockenen Teile des selbst gebauten Weidenzauns bereits aufgelöst und ich habe den Zaun abgerissen. Was aus den beiden angewachsenen Weidenruten wurde, sieht man hier schon sehr gut.

Man kann an den Bildern auch sehen, wie das Flechtwerk in den hinteren gekauften Zäunen langsam verrottet. So schön diese Zäune sind, sie sind nicht für die Ewigkeit gemacht…

weide_2010

 

Die Weide schon: sie wuchs und wuchs… Inzwischen geschätzt 4-5 Meter hoch, nahm sie beachtliche Ausmaße an. Leider finde ich gerade kein Foto aus diesen Jahren.

Der Gartenprofi, der meine Obstbäume schneidet, riet mir jedes Jahr eindringlich, die Weide unbedingt aus dem Garten zu entfernen, weil es ein Baum ist, dessen Wurzeln ständig wassersuchend sind. Deshalb sind Weiden fast immer an Bachläufen zu finden. Seine Horror-Geschichte von Baumwurzeln, die die Beton-Kanalisationsrohre unter einer Straßenkreuzung sprengten und der Baumbesitzer die Kosten dafür zahlen musste, raubte mir den Schlaf.

Was tun? – Eigentlich wollten wir die Weide behalten, da wir sie sehr schön finden. Im Frühjahr 2013 entschieden wir uns kurzerhand, sie einfach zu kappen und eine Kopfweide daraus zu machen. Plötzlich sah es ganz schön kahl auf dem Grundstück aus.

Und die Weide? Die kratzte sich nur mal kurz an der Glatze und ließ dann sofort neues Haar sprießen.

weide-2013

Und nur einen Sommer später, in 2014, war sie wieder riesengroß. Irgendwie kriegten wir langsam Respekt vor dem Wuchs-Wahn dieses Baums.

Also beschlossen wir, die Weide nun doch komplett aus dem Garten zu entsorgen. Vernünftig wollten wir sein. Also wurde flugs ein Forstwirt aufgetrieben und engagiert.

Und dann meldete sich der Bauch: Aber unsere Weide ist doch soooo schön. Haben wir diesen Sommer nicht wieder nett in ihrem Schatten gelegen und unter ihrem Blätterdach gelesen? – Mist, was tun? Ok, also auf den Bauch hören (hat sich irgendwie immer bewährt) und doch nur wieder den Kopfweiden-Schnitt machen lassen. Der Forstwirt hatte uns im Vorgespräch sowieso beruhigt und die Horrorgeschichte von den kanalisationssprengenden Wurzeln entkräftet. Er verstand sowieso nicht, warum wir ihn fällen lassen wollten.

Aber wir hatten bereits eine Vorabsprache mit ihm gemacht und er sollte am nächsten Nachmittag schon seine Arbeit in unserem Garten beginnen, bevor wir zu Hause sind. Telefonisch war er nicht erreichbar. Also einen Zettel mit genauer „Schnitt“-Anweisung an den Baum gepinnt und sicherheitshalber Mittags von der Arbeit nach Hause, damit ich mich im Falle eines Falles vor die Säge werfen kann, um unsere geliebte Weide zu retten.

weide-vor-schnitt-2014.jpg

Und los ging´s mit dem Fassonschnitt. Der kleine Baum neben der Hauptweide wurde komplett gekappt und von den drei Armen der Weide blieben nur zwei übrig. Dann wird er im nächsten Sommer nicht ganz so üppig (hoffen wir).

weidenschnitt-2014.jpg

 

So sieht die Weide heute aus. Bisschen kahl, aber wir wissen ja, das das nicht von Dauer ist.

Das war die Geschichte von unserem Weidenzaun. Und die Moral von der Geschicht: Überlege genau, wo Du einen Weidenstock in die Erde steckst. Es könnte ein dicker Baum daraus werden.

weide-nach-schnitt.jpg

 

 

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