Mini-Auszeit im Kurbad

Es war nur ein Wochenende, das aber hat uns so richtig gut getan. Nur eine dreiviertel Stunde Autofahrt von unserer Haustür entfernt, aber schon in einer völlig anderen Landschaft als unserem Plattland: Bad Harzburg.


Das alte Kurbad im Harzer Mittelgebirge rappelt sich gerade aus seinem Dornröschenschlaf hoch. Ich finde es mit seiner etwas kruden Mischung aus Zwanziger-Jahre-Götterdämmerung-Walhalla-Look und Modernität mit hippem Burgerladen und Hotelneubauten äußerst spannend.

Dieser düstere Bau stellte sich laut Schild als ein niedersächsisches Internatsgymnasium vor und wir fragten uns, ob oben im Turmzimmer wohl Dumbledore wohnt…

Bietet sich für eine Shining-Neuverfilmung an: Haus Waldtraut. Ein Lost Place, der uns sehr fasziniert hat.


Was man daraus (mit dem nötigen Kleingeld) wohl machen könnte?

Als Teilzeit-Kurgäste wollten wir natürlich auch mal Wasser aus der Heilquelle trinken. Im Kurhaus wurde es uns aus einem Zapfhahn in äußerst schicker Umgebung ausgeschenkt. Aber all der Pomp tröstete nicht darüber hinweg, dass das Heilwasser pfui-bäh-uahhhh-gruselig schmeckte. Nun ja, Medizin, die hilft, muss wohl so schmecken. Aber uns reichte der erste Versuch aus, um für alle Zeiten von der Zauberkraft der Krodo-Quelle geheilt zu sein.

Shopping-Time! – Die Bummelmeile bietet allerhand nette kleine Geschäfte, u.a. auch einen gut sortierten Buchladen mit einem Extra-Raum voll gebrauchter Bücher. Wenn der Buchhändlerin langweilig ist, faltet sie wohl gerne Buchseiten zu kleinen Kunstwerken.

Kuraufenthalte müssen auf die Hüfte gehen, das gehört sich so.


An diesem Kalorien-Wimmel-Tempel drückten sich die Leute die Nasen platt.
Als wir drin waren, um ein Brot (!) zu kaufen, stand ein Mann in der Tür und murmelte Probierkekse kauend: „Ich muss hier raus, sonst nehme ich schon vom Hingucken zwei Kilo zu…“, konnte aber, wie durch eine magische Zauberkraft zurückgehalten, nicht aus dem Laden rausgehen. Ich habe mich gut amüsiert.
Da steht er immer noch mit einem Keks in der Hand in der Tür…

Wir ließen es uns in der muckelig-warmen Sole-Therme gut gehen. Besonders schön war das abendliche Schwimmen im dampfenden Außenbecken bei Vollmond – magisch!

Zwischendurch immer mal wieder ein Nickerchen oder Lesestunde in unserer schicken kleinen Ferienwohnung, die ganz ohne Walhalla-Stil-Elemente auskam.


Ab auf den Burgberg! Seilbahnfahren ist für mich überhaupt kein Problem, nur offene Lifte ohne Sicherheitsgurt lassen mich im Angstschweiß ertrinken.

Den neuen Publikumsmagneten „Baumwipfelpfad“ unten am Berg ließen wir links liegen, da wir den letztes Jahr schon gegangen sind.
Oben auf dem Berg gibt es die Canossa-Säule, alte und nachgebaute Burgrelikte…

…und einen schicken Hotelneubau namens „Aussichtsreich“


… mit in der Tat sehr schöner Gartenaussicht. Da ließ sich sogar kurz mal die Sonne blicken.

Das kleine Hexenhäuschen ist die „Harz-Sagen-Halle“.


Da ist sie wieder, meine aktuelle Lieblings-Farb-Kombi aus Schwedenrot und Taubenblau.

Ein Fest für die Baumumarmerin!

Ich hatte von dem auf dem Berg angelegten Besinnungsweg gelesen, war sehr neugierig darauf und nach ein wenig Sucherei fanden wir ihn auch etwas unterhalb der Burg.
Wir beschlossen, ihn als Schweigewanderung zu gehen, für mich ein völlig neues Erlebnis, der Schatz hatte schon einige gemacht und mag so was. (Liegt vielleicht auch daran, dass unsere Kombi aus Tinnitus-Schwerhörig-Mann und Leise-Nuschel-Frau im Alltag häufig Dialoge hervorbringt, die Loriot nicht besser hätte schreiben können, aber das nur am Rande…)

An den einzelnen Stationen gibt es was zu lesen, meist eine Bank, um in Ruhe darüber nachzudenken und dazu eine sehr schöne Aussicht. Leider haben wir nicht alle gefunden, weil wir einmal falsch abbogen und auf einen anderen Weg kamen, aber so bleibt uns noch etwas für das nächste Mal zu entdecken.


Beim Platz 3-Denkanstoß fühlte ich mich sehr ertappt. Recht hat er!

Da bist du grad so ganz still und nachdenklich bei dir auf dem entschleunigten Weg und plötzlich schnaufen sich überraschend bunte wurstpellenüberzogene Männer beschleunigt den Berg hoch. Ob die wohl etwas von der schönen Aussicht wahrgenommen haben? Der Schatz und ich schauen uns nur an und grinsen.

Blätterbad statt Bällebad!

 

 

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