Kittelschürzen-Omis

Als ich Kind war, sahen bei uns in der DDR alle Omis so aus: Die Kittelschürze war ihre universelle Uniform. Die flotten Teile aus Dederon (was sich heutzutage Polyester nennt) waren quasi unkaputtbar, fleckabweisend, figurkaschierend, hatten Taschen, in denen sich der Inhalt von halben Küchenschubladen unterbringen ließen und immer in einem unbestimmbaren Blümchen-Design. Wenn wir heute durch ostdeutsche Dorfstraßen fahren, sehen wir sie manchmal noch, die Kittelschürzen-Omis, im Vorgarten zupfend oder die Straße fegend, aber sehr selten.

Neulich im Ostprodukte-Shop lief mir die Schürze doch wieder über den Weg und weckte Erinnerungen:
Nicht nur Omis, alle DDR-Mädels zwischen 15 und 95 trugen diese Dinger bei der Hausarbeit, im Garten, in der LPG oder in der Fabrik. Als ich zwischen Abitur und Studium ein Jahr lang in einer Jugendbrigade am Spanplatten-Produktionsband den sozialistischen Alltag der schichtarbeitenden Werktätigen kennenlernen durfte, war sie unsere tägliche Arbeitskleidung. Mit Trainingshose und T-Shirt drunter.


Wer sich nicht ganz als Omi fühlen wollte, wählte die etwas jugendlichere Variante der Schürze: an den Seiten offen und mit vertikalem Rüschenvolant rechts und links. Man warf sie sich über und schloss sie an den Seiten mit einer flotten Schleife. So sahen wir damals aus. (Foto aus dem Bundesarchiv, ich hab leider keins mehr)

Aber eigentlich war ich ja bei den Omis. Als ich neulich ein figurbetonendes pinkfarbenes Funktionsshirt als Geburtstagsgeschenk für meine sportive Mama einpackte, kam mir der Gedanke, dass Geschenke für über 70-Jährige auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Früher hätte man eher eine Heizdecke ins Geschenkpapier gewickelt. Schön, dass sich die Zeiten geändert haben!

Und „Posing“ ist inzwischen auch kein Fremdwort mehr für Mädels Ü60.