Rügen – mal wieder

Eines der blöden Nebenwirkungen beim Älterwerden ist, dass es kaum noch „erste Male“ gibt. Alles schon mal gesehen, alles schon mal gemacht – abwink… Manchen ist das egal, manche nehmen es gar nicht wahr, andere machen dann Bungee-Jumping oder schnaufen mit Ende 50 den Kilimandscharo nuff, wie unser Nachbar. Ich frage mich immer, wie man danach weiterlebt, wenn man sich den einen großen Traum erfüllt hat, der dann der Höhepunkt des Lebens gewesen sein soll. Ist danach nicht alles noch profaner? –
Ich feiere im fortgeschrittenen Alter lieber die kleinen ersten Male und fahre ganz gut damit – einfach kleine Dinge im Alltag mal ein bisschen anders machen, neue Wege entdecken, eine andere Gegend in der Stadt erkunden, was anderes essen, mich anders fortbewegen… Der große Kick bleibt aus, aber der schnöde Alltag kriegt viele Mini-Kicks. Dieser Sommer wird in meine Erinnerung als der heißeste Sommer meines Lebens eingehen und der, in dem ich das Radfahren entdeckt habe. Wind im Haar, den Geruch der Gegend in der Nase und mit wachsend großem Radius. Frei sein.

Wie kam ich eigentlich auf das Thema „erste Male“? -Ach ja: Wir haben gerade im Urlaub das erste Mal Seniorenrabatt auf unsere Campingplatzrechnung bekommen. Ein bisschen lustig, ein bisschen oh-oh. Auf jeden Fall eine neue Erfahrung :-).

Ja, wir waren mal wieder auf Rügen, wieder in Mönchgut an der untersten Spitze. Schön wars.
Aber nächstes Jahr wird Rügen-frei, haben wir beschlossen. Sonst wirds langweilig.

Mir ist kalt, ich geh mal ins Wasser! – Haha… In der zweiten Woche wurde es dann aber wieder Sommer.

Es gibt schon verrückte Sachen! – Schneide dein Boot doch mal in der Mitte durch, klappe es übereinander und schon hast du einen Boots-Wohnwagen. Crazy!!!

Übern Gartenzaun gekiekt: Wir besuchten eine Freundin meiner Mutter, die einen Schrebergarten auf der Steilküste mit zweiseitigem Meerblick hat. Den Sommer verbringt sie nur dort oben und geht zwischen dem Unkrautzupfen drei Mal täglich runter zum Schwimmen.

Wer hat beim abendlichen Grillen in seinem Garten schon soooo einen Ausblick?

In ihrem Garten entdeckt: mini-kleine „Johannisbeer-Tomaten„, zuckersüß und lecker. Habe ein paar Samen getrocknet, mal sehen, ob die auch im Flachland was werden.

Der letzte (?) DDR-Zeitungskiosk an der Strandpromenade. Ich bin in einer Zeitschriften-Junkie-Familie aufgewachsen, die quasi alles abonniert hatte, was es in der DDR so an Blättern gab. Manches musste man am Kiosk ergattern, da kein Abo zu kriegen war, daher waren diese Kioske in meiner Kindheit und Jugend ein fast täglich angesteuerter Ort des Jagdfiebers.

Noch ein Relikt: Die alten selbstgeschweißten Zäune, die ich noch überall im Osten entdecke.
Hier ein altes Tor zum Küsten-Pendant der LPG, die FPG, also die Fischerei-Produktions-Genossenschaft.

Nachsaison-Vorteil: Allein am Strand zu sein.

Rechts im Bild der neue Fahrrad-Highway zwischen Alt Reddevitz und Baabe Bollwerk, glatt wie ein Kinderpopo. Hui, so macht Radfahren echt Spaß.

Jeden Vormittag hörten wir auf dem Campingplatz einen Bläser, da mussten wir irgendwann mal nachschauen… Er spielte dem Meer hinter ihm täglich ein Ständchen.

„Hey“ – freut sich Uschi: „Heute darf ich die Kacke wegbringen! Juhu!“ – Ich frage mich, wer wohl diese Werbung gestaltet hat? Wer campt, weiß: Die Sani-Box wird immer, wirklich immer, wichtig schlurfend von den Männern über den Platz gerollt, die Frau geht währenddessen mit dem Eimer voll Geschirr zum abwaschen ins Waschhaus.

Noch was lustiges vom Wegesrand: Wetten, dass die Spielplatz-Designerin ihre Tage hatte?

In Göhren am Strand plötzlich Dudelsäcke, Holzfeuergeruch und wilde Burschen – die Wikinger sind da!

Wieder ein kleines erstes Mal: Wir probieren in Sand gekochten arabischen Mokka. Lecker!

Der meistfotografierte Hund des Tages. So was wird wohl bald in keinem Trend-Hundezubehör-Katalog fehlen…

Kein erstes Mal, sondern inzwischen Ritual: Ich besuche mein geliebtes Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker.

Dieses Jahr mit einer Keramikausstellung und Lochkamera-Fotos. Die Keramikerin ist aus Sellin und wir haben in ihrem Laden schon am Tag zuvor die Karte glühen lassen…

Wir haben sooooo viel gelesen in diesem Urlaub, gestrickt habe ich nur ein paar Maschen, um meine Schulter zu schonen. Es werden Beinstulpen aus der neuen Wolle „Greta“, die einen schönen Farbverlauf hat.

Kein erstes Mal, sondern das zehnte Mal: unser Hochzeitstag im September.

Advertisements