Blaue Stunde

Das ehemals gebrochene Bein will bewegt und der ganze Blödsinn des Arbeitstages muss aus dem Kopf rausgeblasen werden – also heißt es jeden Abend Spazierengehen. Noch ist das direkt vor der Haustür in idyllischer Feldmark möglich, wenn die Baulandpolitik unserer Gemeinde („Solange hier jemand bauen will, kaufen wir Acker“) so weiter geht, tapsen wir bald nur noch durchs Schlafdorf-Ghetto.
Das nächste Neubaugebiet mit 100 Häusern direkt neben dem schon fertigen 90-Häuser-Neubaugebiet aus dem letzten Jahr ist nun beschlossene Sache und ich weiß nicht mehr, ob ich hier für immer bleiben will. Ick gloob, ick will nach Brandenburg! (…pack was zu essen ein, wir fahrn nach Brandenburg… Ich fühl mich heut so leer, ich fühl mich Brandenburg… wenn man Bisamratten im Freibad sieht, ist man im Naturschutzgebiet Mark Brandenburg…)

Aber ich schweife ab. Eigentlich will ich was ganz anderes erzählen. Spazierengehen bei Sonnenschein ist schön, aber noch schöner finde ich Spazierengehen, wenn die blaue Stunde beginnt. Die Konturen verschwinden gaaaanz langsam. Der große Manitou dreht in Zeitlupe den großen Dimmer runter und taucht alles in ein magisches Licht. Die Sinne ziehen sich beim Gehen zurück und manchmal sieht man Dinge plötzlich ganz anders.
Schwer zu beschreiben und noch schwerer zu fotografieren.

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Auch magisch: Heute früh im Bürofenster entdeckt. EISBLUMEN!
Wie lange habe ich schon keine echten Eisblumen mehr gesehen? Ewig her.

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Magie Teil drei:
Jeder, der mein Büro betritt, wird unweigerlich von diesen stacheligen Gesellen angezogen und muss sie in die Hand nehmen. Da werden alle wieder zu Kindern.
Innen drin sind wir alle noch fünf, ist das nicht schön?

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